Achtsamkeit oder Freizeitstress?

Viele Menschen fühlen sich heute überfordert mit dem Angebot an Freizeitaktivitäten.

Wenn wir in Urlaub sind, sehen wir überall Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, abends schön essen zu gehen, an örtlichen Festen teilzunehmen und vieles mehr.

Das Angebot an Freizeitaktivitäten ist vielfältig. Es ist durchaus interessant, mal aus dem Trott auszusteigen um eine andere Kultur und deren Gepflogenheiten kennenzulernen. Man kann allerdings nicht überall sein.

Viele geraten in Zugzwang, unbedingt das Beste aus dem wohlverdienten Sommerurlaub zu machen und setzen sich dabei ständig unter Druck. Gerade waren sie noch fleißig am Arbeitsplatz, machen die letzten Erledigungen vor dem Urlaub damit sie pünktlich am Strand oder auf Ihrer Terrasse sitzen können. Sobald sie dann dort sitzen, fragen sie sich ob sie ihre Zeit wohl richtig und sinnvoll nutzen. Man könnte ja was verpassen.

Freizeit wird auf einmal mehr zu Stress als zu Vergnügen. Wenn Sie allerdings uneingeschränkt in der Lage sind, Ihre Freizeit zu genießen, können Sie nun aufhören zu lesen und sich Ihrer Freizeit widmen.

Da es aber der Begriff „Freizeitstress“ gibt, bin ich sicher, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, hier etwas mitnehmen werden.

Urlaub, die Zeit des Jahres, worauf wir uns ganzjährig freuen und uns, wenn das Budget dies hergibt, einen Verbleib außerhalb der eigenen 4 Wände leisten. Das ist die Zeit des Jahres, währenddessen wir uns nicht von Terminen und Vorgaben fremdbestimmt fühlen und die Seele baumeln lassen können.

Freizeit, die wir selbst mit der Familie verplanen können.

Die Frage, die sich mir stellt allerdings, ist ob und wie viel Zeit verplant werden muss und ob wir uns nicht manchmal vom Freizeitangebot und auch den neuen Medien versklaven lassen.

Wird die Freizeit zum Pflichtprogramm und mit welchem Zweck tun wir das was wir tun? Was brauche ich, um glücklich zu sein?

Das ist für jeden von uns unterschiedlich. Machen Sie sich bewusst, welche Gedanken sich melden, wenn Sie einfach mal nichts tuend auf Ihrer Couch sitzen, ohne Fernseher oder sonstige Ablenkung.

Eine Patientin berichtete neulich, dass Sie nie „einfach nur da sitzt“. Schon fällt ihr ein, was sie besser im Haushalt machen sollte, und rennt los, nur damit sie sich produktiver fühlt. Sie sagte, „endlich habe ich dann mal Zeit für mich und kann es gar nicht genießen weil ich ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich faulenze“.

Was denken die anderen von mir, wenn ich nichts tue (sprich „was denke ich von mir, wenn ich nichts tue“)?

Wir fühlen uns so abhängig von dem was wir denken, was andere von uns denken. Dabei können wir gar nicht wissen was andere denken, es sei denn wir fragen sie, um dann einzugestehen, dass sie denken können was sie wollen und wir keinen Einfluss darauf haben.

Durch diese Erfahrung haben wir das Thema „was andere von uns denken“ schon mal aus dem Weg geräumt und können uns nun uneingeschränkt uns selbst widmen. Schließlich geht es nur darum zu wissen was wir selbst brauchen, um uns gut zu fühlen. Das ist kein Egoismus sondern ein gesundes Selbstbewusstsein, denn wenn wir glücklich sind, strahlen wir das aus und das spürt unser Gegenüber.

Woher weiß ich denn, was ich brauche? Das können mir keine Fernsehsendungen, keine Tabletten, keine anderen Menschen usw. erzählen, die Antwort liegt in mir und wartet darauf, von mir entdeckt zu werden.

Das macht die Sache um Einiges einfacher, weil ich weiß, dass es in meiner Hand liegt, daran etwas zu ändern. Um zu wissen was wir wollen, ist es wichtig in die Stille zu gehen, d.h. wir lenken die Aufmerksamkeit von außen nach innen. Dafür müssen wir den Verstand beruhigen. Wir denken am Tag 60.000 Gedanken. 3 % davon unterstützen mich und helfen mir. 25 – 30 % davon sind neutral oder helfen anderen. 60 – 70 % davon sind unnütz oder schaden.

Das sind fast zwei Drittel unserer Gedanken, die uns schaden. Wie können wir diese abstellen?

Ein Beispiel dafür ist die folgende Achtsamkeitsübung: Gehen Sie in den Wald oder in einen Park. Sie gehen und schauen alles genau an, ohne eine Bewertung abzugeben. z.B. Sie sagen innerlich (oder laut, wenn Sie wollen), „Baum“, „Hund“, „Frau“, „Gras“, usw. Sobald Sie denken „schöner Baum“, stellen Sie fest, dass dies eine subjektive (Ihre Meinung) Beschreibung des Baumes ist und kehren zurück zur einfachen Aufzählung (Baum, Gras, Busch, usw…). Das machen Sie mit allem was Sie in diesem Moment wahrnehmen.

Wenn Sie wenig Zeit haben, können Sie dies auch in ihren eigenen 4 Wänden mal zwischendurch machen. Sie werden sehen, dass, nach etwas Übung, weniger Gedanken in Ihrem Kopf herumschwirren werden. Das gibt Ihnen mehr Zeit und Energie, darüber nachzudenken und zu fühlen was wirklich wichtig ist.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Üben und berate Sie gern, wenn Sie zu diesem Thema mehr wissen wollen.

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